Ayurveda für mehr Erdung im Dezember: Eine Geschichte, ein Rezept & kleine Rituale
- Yvonne Link

- 3. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Dez. 2025

Der Dezember bringt uns die besondere Energie, gleichzeitig nach vorne und nach hinten zu schauen. Das Jahr klingt aus, die Tage werden kürzer aber nicht unbedingt ruhiger. Trotzdem gibt es diese kleinen Momente - Plätzchenduft, Kerzenschein, glitzernde Beleuchtung, das kurze Innehalten, wenn die Luft kalt wird und der Atem sichtbar.
Und zu so einem Moment soll diesmal auch der Vollmond-Blog werden, also mach dir vielleicht noch einen warmen Tee und nimm dir ein paar Minuten für eine kleine Geschichte. Eine Geschichte über Wahrnehmung, Ayurveda und Energie im Dezember und darüber, wie du dich selbst mitten im Trubel wieder spüren kannst.
Unter der geschriebenen Geschichte findest du auch einen Link zum Audio, indem ich sie dir vorlese.
Die Nachtwanderung von Kitzeban
Ein Vollmondmärchen über Balance, Bedürfnisse und Vertrauen
Es heißt, ein Dezemberwald sei besonders still. Ruhe kehrt ein, der Atem des Waldes wird langsamer und tiefer. In dieser Zeit kann man hören, was sowieso schon da ist und wenn sich das laue Licht an die Baumrinden haftet, beginnt die Zeit, in der man Wesen sieht, die man sonst nur erahnt.
Eines davon ist Kitzeban, der Erdenjunge, gerade so groß wie ein Eichhörnchen, und genauso flink, barfuß wie gewohnt, mit Augen, die jede Bewegung der Natur spiegeln, verbunden mit Muttererde - Gaia und seinem weisen Begleiter, dem Mond.
An diesem Abend wanderte Kitzeban tiefer in den Wald als sonst, die Luft war kalt und klar, sie machte seine Gedanken klar und seine Sinne wach. Über ihm schien der Vollmond, hell und beständig, wie ein alter Freund, der dich still begleitet, weil Worte unnötig sind.
Kitzeban möchte diese Stille und seine Begleitung. Er sprang über Wurzeln, kletterte über Äste, kroch unter Dickicht hindurch und glitt wie selbstverständlich durch die engsten Gestrüppe des Waldes.
Doch irgendwann blieb er plötzlich stehen. Da war ein Gefühl, es machte sich leise, tief in seinem Bauch bemerkbar. Es flüsterte und drängte sanft - forderte.
Er kannte dieses Gefühl. Es war der Moment, in dem sein Körper ihm versucht etwas mitzuteilen. Hier war es sein Vata, das zu ihm sprach. Kälte, Leichtigkeit, viel Bewegung.
Kitzeban hielt inne.
Er atmete.
Legte seine Hände auf den Bauch und flüsterte in sich hinein: „Was brauchst du?“
Er wartet und dann kam die Antwort, es war sein Kapha und ein warmes Bild, welches in ihm aufstieg – eine warme, duftende, erdende Mahlzeit, das war es, was er jetzt brauchte. Ein Gericht, das nicht nur seinen Hunger stillte, sondern ihn wieder zurück in seinen Körper holte. Der Mond über ihm flackerte kurz auf, ganz so, als würde er ihm zustimmend zunicken.
Die Baumjorte Jekana – das Wesen der Erde
Kitzeban setzte seinen Weg fort. Nun langsamer, er wusste nicht genau wohin aber er ging seiner inneren Stimme nach. Etwas rief nach ihm, er folgte und so erschienen im Wald Wege die vorher verborgen waren, denn wenn der Wald es will, zeigt er es.
So öffnete sich zwischen zwei Eichen ein Durchgang. Kitzeban gelangte auf einen moosbewachsenen Platz, er blickte auf einen großen, knorrigen Baum mit mächtigen Wurzeln. Es war das Zuhause der Baumjorte Jekana. Eine Baumjorte wohnt für gewöhnlich immer unter alten, kräftigen Bäumen. Es sind Mutterwesen der Erde und aus Holz gewachsen, sie sehen ein bisschen aus wie große, runde Kiefernzapfen, mit Armen und Beinen wie Baumrinde und einem weichen, einladenden Lächeln.
„Du kommst genau rechtzeitig.“ sagte Jekana und winkte Kitzeban mit einer einladenden Geste heran.
Drinnen war es gemütlich und warm. Es roch nach gedünstetem Wurzelgemüse, Gewürzen und Kräutern. Kitzeban setzte sich und Jekana stellte ihm eine Schale mit einem schweren, runden Eintopf hin. Kapha in seiner schönsten Form. Halt, Ruhe, Geborgenheit.
Er aß. In Ruhe und langsam. Mit jedem Löffel spürte er Wärme und nährende Schwere. Als die Schale leer war, fühlte er sich wohlig. Es war nicht zu viel, aber genug. Jekana sah ihn an und sagte: „Wenn Kapha genährt ist, hilft Vata zu balancieren. Jetzt beweg dich, damit deine Energie wieder fließen kann.“ Kitzeban bedankte sich mit einer Hand auf Jekanas hölzernem Arm. Sie lächelte und nickt: „Geh. Deine Natur kennt den Weg.“
Der Waldweg zur Lichtung
Kitzeban trat hinaus in die kühle Nacht. Der Spaziergang tat gut. Die Erde unter seinen Füßen war kalt, der Himmel klar. Die Schwere verteilte sich, die Wärme stieg und seine Energie wurde wieder weich. Mit jedem Schritt fand er zurück in seine Mitte. Nicht zu schwer, nicht zu leicht.
Bald erreichte Kitzeban einen Waldweg, der ihn zu einer Lichtung führte. Der Platz war hell erleuchtet und der Boden glitzerte im Schein des Vollmonds. Kitzeban trat in die Mitte des Platzes und blieb stehen. Er schaute hinauf zum Mond und spürte Gaia unter seinen Füßen. Keine Worte. Nur Stille – und Kitzeban wusste, dies war ein alter Ort. Ein Ort, an dem die Erde nach oben und der Himmel nach unten reichte.
Er legte eine Hand auf den Boden. Die andere hob er dem Mond entgegen und dann geschah etwas, nichts Spektakuläres, aber etwas Wahres:
Er, der Mond und die Erde atmeten gemeinsam – Gleichklang.
Ein Atemzug in die Tiefe der Wurzeln.
Ein Atemzug in die Unendlichkeit des Himmels.
Ein Atemzug tief in sein eigenes Sein.
Und Kitzeban wusste auf einer tiefen Ebene, das sich alles zum Ganzen fügt, verbunden und auf seine innere Stimme hörend. Genauso wie bei dieser Wanderung, er hatte alles erfüllt, was sein Inneres gesagt hatte. Wenn er auf seine Bedürfnisse hört, zeigt sich sein Weg – warm, klar, nährend, wie dieser Abend.
Und so glitt er - erfüllt, verbunden, geerdet – in die Nacht.
Hier kannst du dir die Geschichte auch als Audio anhören - Die Nachtwanderung von Kitzeban
✨ Nach der Geschichte - Ayurveda im Dezember und deine ayurvedische Vollmondpraxis
Der erdende Eintopf von Baumjorte Jekana (Rezept)
Ein Wintergericht, das Vata beruhigt, Kapha nährt und den Bauch weich macht.
Die Gemüseanteile kannst du ganz intuitiv anpassen.
Zutaten (2 - 3 Portionen)
2 Karotten
1 kleine Süßkartoffel oder 2 Speisekartoffeln
1 Stück Hokkaido oder Butternut
1 Pastinake
½ Zwiebel
1 TL Ghee
1 TL Kurkuma
½ TL Kreuzkümmel
½ TL Koriander gemahlen
Salz
500–700 ml heißes Wasser oder Gemüsebrühe
Optional: ein Schuss Kokosmilch
Zubereitung
Alles Gemüse in kleine Würfel schneiden.
Ghee in einem Topf erwärmen, Gewürze kurz anrösten.
Zwiebel und Wurzelgemüse dazugeben, kurz anschmoren.
Mit heißem Wasser ablöschen, 20–25 Minuten köcheln.
Optional etwas Kokosmilch dazu.
Abschmecken – und warm servieren.
Wirkung:
wärmt, beruhigt, erdet, gleicht Vata aus, stärkt das Verdauungsfeuer.
Mini-Übung für den Alltag: „Der Kitzeban-Moment“
Eine 30-Sekunden Praxis, um Bedürfnisse wahrzunehmen.
So geht’s:
Setz dich hin oder bleib kurz stehen.
Eine Hand auf den Bauch.
Ein Atemzug ein, ein Atemzug aus.
Stell innerlich eine einzige Frage: „Was brauche ich jetzt?“
Warte 3–5 Sekunden.
Nimm die erste Körperantwort.
Kein Analysieren.
Nur fühlen.
Diese Übung richtet Vata aus, stärkt Körperwahrnehmung und schafft Alltagspraxis.
Atemübung: 4 ein – 6 aus
Einfach, effektiv, nervensystemberuhigend.
So geht’s:
Einatmen durch die Nase, 4 Sekunden
Ausatmen durch die Nase, 6 Sekunden
6–8 Runden
Wirkung:
senkt Vata
beruhigt Angst/Unruhe
stärkt Präsenz
hilft beim Einschlafen
ideal am Abend oder zwischendurch
Danke, dass du 2025 mit mir gelesen, gefühlt und die kleinen Momente geteilt hast. Ich wünsche dir eine ruhige, klare Zeit zum Innehalten und freue mich schon auf unseren ersten gemeinsamen Vollmond in 2026.









Wie schön💗
Wir haben uns sehr über die Geschichte gefreut